gepflanzt

Kunst im halb-öffentlichen Raum

 

Studierende der Lehrveranstaltung "Kunst und Öffentlichkeit" am IZK/TUGRAZ

Leitung: Hans Kupelwieser, Nicole Pruckermayr

Mitarbeit: Claudia Genger, Johannes Paar

in Zusammenarbeit mit: Dr. Ursula Brosch, Institut für Pflanzenwissenschaften, KF-UNI GRAZ

 

Austellungsdauer: 20.01.2009 - 30.01.2009

Botanischer Garten am Institut für Pflanzenwissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz

Teilnehmer:

Benjamin Pacher, Merima Misimovic, Mario Ruml, Felix Zankel, Jasna Kuljuh, Verena Lernpeiss, Susanne Kerndle, Emina Poljac, Danijel Gril, Robert Kogler, Roman Krajger, Gerald Sauer, Sarah Bijttebier, Stefan Mayrhauser, Eva Fruhmann, Stephanie Jerlich, Miriam Nascimento Duarte, Anika Schaffer, Julia Kemmber, Sabine Rekar, Daniela Riemer, Georg Fassl, Armin Petzwinkler, Dominik Weißenegger, Patrick Rath, Tobias Ziegelmeyer, Alexander Poschner, Thomas Untersweg, Anna Grandi, Aurelie Lambert, Michaela Rahe, Emerick Lannoy, Aurore Rapin, Ticia Sarries Lopez, Mar Costa, Michael Fuchs, Karoline Glockner, Martha Gruber, Katharina Hintersteininger, Bettina Domenig, Claudia Huber, Katharina Binder, Thomas Diewald, Andreas Volgger, Anita Zotter, Peter Kaufmann, Lisa Obermayer, Marie Öttl, Angelika Tutzer, João Pedro Alves, Margarida Amial, Daniel Arnaldo Duarte Pereira, Margarida Fino Jeronimo, Johannes Friessnig, Eva-Maria Jocham, Katharina Ofner, Cristina Garcia Baeza, Cristian Marcos Alvarez, Javier Rufat Lopez, Bartlomiej Grzanka, Almud Krejza, Stefan Müller, David Reibenschuh, Werná Bodner, Rita Lopes dos Santos, Judith Urschler, Patricia Wess, Markus Fischer, Thomas Grill, Michael Petar, Andreas Stelzer, Sophie Grünewald, Barbara Steindl, Katharina Kaufmann, Christina Klappacher, Martin Riegler, Dominik Tagger, Caroline Biribauer, Lisa Maria Enzenhofer, Peter Heinzl, Magdalena Söllradl, Volker Ast, Oliver Oswald, Johannes Purkowitzer, 


Input

"Ohne einen Glaspalast ist das Leben eine Last" (Paul Scheerbart, 1914)

 

Und nun - 2009 im Botanischen Garten in Graz - stehen zwei Glaspaläste, en alter, langer dem Verfall Preis gegebener und ein neuer, einer in Verwendung, welcher voll mit Pflanzen ist. Pflanzen, die so in Graz nicht gedeihen und so nebeneinander auch nicht wachsen würden, wenn nicht dieses Gewächshaus sie schützen würde und Pflege sie wachsen ließe.

Die Breite mit der die künstlerischen Arbeiten konzipiert worden ist, hat viel damit zu tun, dass so ein Areal, wie der Botanische Garten in Graz eines darstellt, außerordentlich groß (im physischen Sinne) ist, aber auch eine weitreichende inhaltliche Bearbeitbarkeit zulässt.

Da gibt es die Historie eines kontinuierlichen verfallenden, ausgedienten,a ber architektonisch spannenden Gebäudes, eine Gartenanlage, die sich im Wandel befindet und sich derzeit gar nicht so sehr von den umliegenden Villengärten unterscheidet, außer dass sie zu gewissen Tageszeiten öffentlich zugänglich ist und sie natürlich professionelle Pflege bekommt. Dann gibt es ein gebrauchstüchtiges Gewächshaus mit all seiner Technik, die notwendig ist, um so eine klimatischen Sonderfall am Laufen halten zu können. Dieses Gebäude wird auf Grund seiner besonderen Erscheinung auch gerne von Architekturinteressierten besucht.

Sieht man sich dann näher in diesem Gebäude um, so steht hier die künstliche Natürlichkeit, die Teil des Systems Gewächshaus ist, im Vordergrund. Wie wild ist die Wildnis in so einem Setting? Welche Pflege und Organisation wird notwendig um ein sowohl wissenschaftlich als auch öffentlichkeitswirksames Gebäude zu erhalten. Im weiteren Gedankengang stellt sich dann auch die Frage, wie es im Vergleich dazu mit unseren Zimmerpflanzen aussieht, denn manchmal kann man auch bekannte Arten, die man zu Hause etwas kleiner stehen hat, begutachten. Und natürlich hängt sich dann auch die Frage nach kolonialer Vergangenheit und ihren zeitgenössischen Ausformungen an.

Dieses breite Feld wurde in künstlerischen Projekten bearbeitet, welche während der Ausstellungsdauer und teilweise darüber hinaus im Gesamtensemble des Botanischen Gartens und seinen beiden Glaspalästen ihre Blüten trieben, trotz winterlicher Temperaturen und teilweise verschneiter Landschaften....

Nicole Pruckermayr

 

 


Projekte

FLASCHENGRÜN

Marie Öttl, Angelika Tutzer

Gewächshäuser soweit das Auge reicht. Viele kleine Treibhäuser sitzen auf dem Großen und bilden eine Symbiose - sie naschen mit, bei Aufmerksamkeit und Sonne.

 

RIP (rest in pieces)

Peter Kaufmann, Lisa Obermayer

Das alte Gewächshaus bricht in sich zusammen - die Glasreste sind Teile, die hier zu einem neuen Memorial verbaut werden. Und sie ruhen in Frieden.

 

reAnimation

Katharina Binder, Thomas Diewald, Andreas Volgger, Anita Zotter

In Licht getaucht erstrahlt die alte Pracht zu neuem Leben. Im Herzschlag - akustisch und visuell - pulsiert das gesamte Gebäude und wird wieder ins Leben zurück gebracht.

 

_Zukunftsvisionen_

Bettina Domenig, Claudia Huber

Ein beschaulicher Spaziergang durch den Botanischen Garten, man schlendert am alten Gewächshaus vorbei und plötzlich stürzen die Glasmassen neben einem zu Boden - zumindest hört es sich so an….

 

glashaustomaten

Michael Fuchs, Karoline Glockner, Martha Gruber, Katharina Hintersteininger

Riesige Tomaten thronen erhaben auf dem Hügel neben dem neuen Gewächshaus. Ins Radikale getriebene Forschungsexperimente? Genmanipulation der extremsten Art? Was geschieht in diesem Gewächshaus?

 

TIM BURTON IN GRAZ

Emerick Lannoy, Aurore Rapin, Ticia Sarries Lopez, Mar Costa

Lug und Trug soweit das Auge reicht. Ein Regisseur namens Tim Burton soll sich einen Drehort in Graz gesucht haben - er war offensichtlich im alten Gewächshaus und hat sich dort erkundigt. War er dort, wer hat ihn gesehen?

 

ACCEPTED

Anna Grandi, Aurelie Lambert, Michaela Rahe

Im kolonialen Wettlauf haben die europäischen Länder PFlanzen ferner Länder importiert. Die Einreise dieser Fremde wurde akzeptiert, ja geschätzt. Auch heute werden Pflanzen und Tiere über viele tausend Kilometer auf Reisen verschickt, um unsere Wohnräume angenehmer zu gestalten.

 

der mensch lebt in einer natürlichen künstlichkeit und in einer künstlichen natürlichkeit (peter sloterdijk)

Alexander Poschner, Thomas Untersweg

Now that we can everything - what will we do? (Bruce Mau) - In Sequenzen werden Infrarotlampen - in Analogie zu künstlichem Leben - aktiviert, durch das Auftrocknen des Kondenswassers an den Scheiben verschwindet der Schriftzug, und aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit im Tropenhaus kondensiert das Wasser wieder am Glas.

 

KAKTUS GLOBUS

Patrick Rath, Tobias Ziegelmeyer

Ein Kaktus wird entschärft und als Zimmerpflanze ist er somit "anscheinend" sehr viel besser zu gebrauchen. Die Degenerierung kann nicht aufgehalten werden.

 

natchine

Georg Fassl, Armin Petzwinkler, Dominik Weißenegger

"natchine" überlagert die Technikanlage im Keller des neuen Gewächshauses mit einem animierten Funktionsdiagramm und entlarvt so die Wurzelmaschine, die der Natur im Glashaus zugrunde liegt.

 

cristal dentado cosa…

Julia Kemmber, Sabine Rekar, Daniela Riemer

Glasscherben des alten Gewächshauses bilden kristallene Kakteen und finden durch diese Wiederverwertung Einzug in den Pflanzenbestand des botanischen Gartens. Die Geburt einer neuen Spezies.

 

Glasiges Netz

Eva Fruhmann, Stephanie Jerlich, Miriam Nascimento Duarte, Anika Schaffer

Ein Netz in Form eines Gebäudeflügels des neuen Gewächshauses in verkleinertem Maßstab hängt unscheinbar an einem Baum und tarnt sich als parasitäres Gebilde und Teil der Naturlandschaft.

 

One Season

Stefan Mayrhauser

"One Season" konserviert eine Jahreszeit und gewährt einem Baum, seine abgefallenen Blätter wieder zu tragen. In Folie verschweißt hänggen sie nun erneut am Baum.

 

shadow playing of plants

Sarah Bijttebier

Ein kleines Schattenspiel mitten im Wucher der Natur. Bäume und Sträucher in feinster Kleinarbeit leuchten durch das Blattwerk des Gewächshauses.

 

*bam*

Danijel Gril, Robert Kogler, Roman Krajger, Gerald Sauer

Bei einer freistehenden alten Holztür wird der Ursprung dieses fertigen Produkts offen gelegt - das Türblatt ziert die ausgeschnittene Silhouette eines Baumes. Der plastische Baum wird so reduziert auf einen zweidimensionalen Negativraum.

 

mutatio

Jasna Kuljuh, Verena Lernpeiss, Susanne Kerndle, Emina Poljac

Ein freches Monster nistet sich im alten Gewächshaus ein und treibt dort sein Unwesen. Einige Personen sind ihm schon auf den Fersen aber meistens kriegen sie nur kleine Ausschnitte vom Ganzen zu Gesicht.

 

Kein Opfer ist je vergessen?

Merima Misimovic, Mario Ruml, Felix Zankel

Eine Zimmerpflanze wird gestohlen. Der Schauplatz des Verbrechens wird abgesperrt und übrig bleib die Suchanzeige und ein eingefrorener Schatten… Wer hat die Untat beobachtet?

 

biodiversity. Ein Querschnitt durch den botanischen Garten

Benjamin Pacher

Blätter von hunderten Pflanzen des Gewächshauses werden in sorgfältiger Handarbeit zu einem Buch zusammen gefasst - ein umfangreiches Herbarium aus eingescannnten Blättern entsteht.