66,46° - Einfall Zufall Fall

Die Installation 66,46° beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit des Moments. Des einen Moments, an dem die Sonne im steilsten Winkel über der Teichoberfläche steht und an dem die Sonnenstrahlen den kürzesten Weg zum Wasserspiegel zurücklegen.
Dort steht das stabförmige Objekt als eine direkte Verlängerung eines Sonnenstrahls, der zur Sommersonnenwende unter dem Winkel von 66,46° auf die Wasseroberfläche trifft.


Die Versuchsanordnung ist eine abstrahierte Darstellung dieses Geschehens, sowohl räumlich als auch zeitlich. Der fokussierte Sonnenstrahl entfacht ein Feuer im Inneren des Rohres und lässt es in zwei Teile brechen. Die ursprünglich der Sonne zugewandte Hälfte fällt in den Teich und verrottet. Die andere, nunmehr stumpfartige Hälfte ragt abgebrannt aus dem Wasser.


Mithilfe von speziellen Werkzeugen kann man die Sonnenposition zu jeder Zeit, an jedem Ort errechnen. Der Aufbau der Installation ist eine Herausforderung an die Genauigkeit der Umsetzung und ein Versuch, natürliche Abläufe vorherzusagen.

Es ist ein Spiel mit der Sonne, die zu einem gewissen Zeitpunkt eine gewisse Position erreicht. Alte Grabkammern oder Tempelanlagen wurden oft mit ihren Eingangstüren nach dem Stand der Sonne bei ihrem Unter- oder Aufgang am Tag der Winter- oder eben der Sommersonnenwende ausgerichtet.


In diesem Fall sind sowohl der Winkel als auch das Datum und die Uhrzeit bestimmt, einzig ob der Himmel bewölkt ist oder ob es Regen gibt, hängt vom Zufall ab.
Durch die Wechselwirkung der Faktoren – gesetzmäßiger Naturablauf, empirische Annäherung, meteorologischer Zufall – kann die Installation den vorher beschriebenen Zustand erfahren, oder auch nicht.
Außerdem stellt sich die Frage: Wenn im Wald ein Baum umfällt und niemand ist da, gibt es dann ein Geräusch?


Glücklicherweise spielte das Wetter mit. Am 21.06.2012 kurz nach 12:34 Uhr entzündete der Sonnenstrahl prognostizierterweise die eingebaute Lunte und das Schauspiel nahm seinen Lauf.

 

Leszek Barszczewski