Brot - Für die Welt

Die im westlichen Kontext dominierende Überflussgesellschaft und die damit einhergehende alltägliche Überproduktion von Lebensmitteln waren Anlass und Inspiration für die Umsetzung meines Projektes Brot.


Bis zu 100 Tonnen Gebäck landen alleine in Österreich täglich auf der Mülldeponie. Jeden Tag werden in Wien so viele Backwaren vernichtet, wie allein in Graz konsumiert werden. Eine Aufzählung aufrüttelnder Fakten ließe sich hier endlos fortführen …
Die anfänglich befürchteten Schwierigkeiten, große Mengen an Altbrot zu beschaffen, lösten sich schnell in nichts auf: Tatsächlich war es für mich ein Leichtes, Material für meine Skulptur zu organisieren. In nur zwei Tagen gesammelt, kamen 18 große Kartons voll Brot und Feingebäck aus wenigen Filialen einer Grazer Bäckerei zusammen.


Große Buchstaben erheben sich schwer und satt aus dem Rasen heraus. Sie bestehen aus Erde, sind eben mit dichtem Gras bewachsen und bilden das Wort BROT. Anfänglich ist es noch gut lesbar, wenige Wochen später ist möglicherweise alles wieder verschwunden.

Die anfangs rund 30 Zentimeter aus dem Boden ragenden Erd-Schriftzeichen wurden auf eine ebenso hohe Schicht aus Altbrot modelliert. Das Brot befindet sich in Gruben, die die Umrisse der entsprechenden Buchstaben haben. Nach und nach wird das Brot abgebaut: Es wird von Schnecken und hungrigen Vögeln ausgegraben und gefressen, es verschimmelt oder wird von Kleinstlebewesen zersetzt.
An einem noch ungewissen Zeitpunkt werden die Gruben leer sein und die geformte Erde sinkt passgenau dorthin zurück, wo sie zuvor ausgehoben wurde. Die Grasnarbe, der obere Abschluss der Buchstaben, fungiert nun als Deckel, schließt die Mulden zur Gänze ab und die Skulptur ist verschwunden.

 

Philipp Grein