Kunstrasen - Imitation und Wirklichkeit im Wechselspiel

Bei der Arbeit Kunstrasen handelt es sich um den fotografischen Ausschnitt einer Rasenfläche des Skulpturenparks, welche im Maßstab 1 : 1 auf einem Farbdruck abgebildet und als Imitation der Wirklichkeit über derselben Stelle platziert wird.


Als Grundlage dient dabei eine Holzplatte im Format 1,25 mal 5 Meter, beklebt mit einer Fototapete, ähnlich dem Prinzip einer Reklametafel. Im Gegensatz zu der Fertigung von Werbetafeln wurde hier auf die Witterungsbeständigkeit bewusst verzichtet. Sonnenlicht und Regen bleichen die Farben mit der Zeit aus, das Material löst sich innerhalb weniger Monate auf.

 

Die Farben bleichen aus, weil die Farbstoffe die Strahlung der Sonne absorbieren. Die dabei entstehende Energie wird nicht nur in Wärme umgesetzt, sondern führt auch zu einer Anregung der Farbstoffmoleküle. Diese können dadurch chemische Reaktionen mit Substanzen aus der Luft eingehen. Dabei werden die chemischen Bindungen in den Farbstoffmolekülen zerstört, deren Struktur verändert und es entstehen meist Stoffe, die kein Licht absorbieren und uns als weiß erscheinen. Eine wichtige Rolle beim Bleichen spielt das UV-Licht. Es ist so energiereich, dass es manche Farbstoffe photolytisch spaltet, ohne dass andere Moleküle beteiligt sind. Üblicherweise werden Drucke, die längere Zeit dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, daher mit UV-Licht absorbierenden Folien beschichtet.

Im Laufe der Zeit durchlebt auch das sich unterhalb der Skulptur befindliche Rasenstück einen ähnlichen Transformationsprozess. Durch das fehlende Sonnenlicht und den Feuchtigkeitsentzug stirbt das Gras ab, es hellt sich auf und vergeht. Beide Elemente tauschen ihre zum Fortbestehen notwendigen klimatischen Bedingungen und beeinflussen sich gegenseitig.
Das Imitat schädigt die Wirklichkeit und ist selbst nicht imstande, diese zu ersetzen. Die Rasenfläche hingegen schafft es, sich nach einiger Zeit wieder zu regenerieren.

 

Markus Neumaier