WiesenSkulptur - Die Abwesenheit des Abwesenden

Dies ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Vergänglichen, dem Vorhandenen und dem Sichtbarmachen des Unsichtbaren.


In der Arbeit WiesenSkulptur wird das Natürliche zum Unnatürlichen und das Künstliche zum Natürlichen. Eine Skulptur entsteht dort, wo sie schon immer war. Aber nun lässt man sie sein. Nur ihre Umgebung wird gestutzt, geschnitten, gemäht, wie eh und je. Ein sich ständig verändernder Prozess wird eingeleitet, indem ein Teil der Wiese abgesteckt, abgegrenzt, geschützt wird. Wuchernde Buchstaben erheben sich aus der homogenen und gepflegten Ebene. Sie schreien und machen auf sich aufmerksam, indem sie ihr Umfeld
überragen.
Erst wer sich der Skulptur von Weitem nähert, erkennt das Wort, welches die wachsenden Buchstaben bilden: Man erkennt die Skulptur als solche und als Wort.
Kann das Wort Skulptur eine Skulptur sein? Es liegt wohl im Auge der Betrachterin, des Betrachters.

Eine Skulptur im klassischen Sinn entsteht durch Abarbeiten oder Herauslösen, in einem subtraktiven Verfahren, wie zum Beispiel aus einem Holzstück schnitzen oder aus einem Stein hauen. Ihr gegenüber steht die Plastik, verstanden als additiv durch das Hinzufügen von Material entstehende Form, z. B. mit Ton oder Gips.
Die Arbeit ist nicht statisch, das heißt einmal vollendet, um dann für die museale Ewigkeit ausgestellt zu werden, nein, die Skulptur durchlebt einen sich ständig verändernden Prozess, da sie ja gewachsen ist und aus einem lebendigen, biologischen Material besteht. Die Skulptur wird erst allmählich sichtbar: Besonders wenn gerade wieder die umliegende Wiese gemäht wird, ist der Kontrast am größten. Langsam und kontinuierlich wächst die Umgebung der Skulptur nach und sie verschwimmt wieder mehr mit ihr.


Nicht zuletzt geht es um das Sichtbarmachen von etwas, das schon da war, aber nicht als solches erkannt wurde.

 

Peter Reichhalter